


Alias Magazine, Ausgabe 2, Januar/Februar 2004
Für Sydney Bristow sind Stunden vergangen... doch für ihren beruflichen und privaten Partner Michael Vaughn sind es zwei Jahre. Er hat die Hoffnung aufgegeben und jemanden anderes geheiratet! Schauspieler Michael Vartan findet die Herausforderungen des normalen Alltags viel einfacher als die, mit denen sich sein Charakter konfrontiert sieht.
Michael Vartan ist was man im Geschäft einen "Trooper" nennt. Seine Kollegen berichten, dass er am Vortag des Interviews trotz Grippe über Tisch und Bänke gesprungen ist. Er erscheint noch angeschlagen von der Grippe im Produktionsbüro, ist jedoch geduldig, charmant offen, selbstkritisch und grenzenlos enthusiastisch über Alias und seine Kollegen bei der Serie.
In Frankreich geboren flog Michael Vartan während sein Kindheit viel zwischen Frankreich und den USA hin und her. Sein Reisepass weißt ihn als Amerikaner aus. Er machte 1991 seine ersten Gehversuche in dem Film "Un homme et deux femmes" (A Man and Two Women) und tauchte danach in Fiorile auf bevor er in US Filmen wie "Der Zufallslover" (eine Produktion von Alias-Erschaffer J.J. Abrams), "Das Familiengeheimnis", "Ungeküsst", "Ein Freund zum Verlieben" und zuletzt in "One Hour Photo" an der Seite von Robin Williams und Connie Nielsen erschien.
Im Fernsehen war er in Ally McBeal sowie Friends zu sehen, spielte den Sir Lancelot in der Mini-Serie "Die Nebel von Avalon" und ist nun in der dritten Staffel Sydney Bristows verheirateter Ex-Freund, CIA Agent Michael Vaughn.
Alias Magazine: Wie kamen Sie zur Schauspielerei?
Der Freund meiner Mutter war Regisseur und fragte mich, ob ich bei einer Dokumentation mitmachen würde (1988 Black Leather Jacket). Ich sagte "Nein" und er sagte "Ich zahle Dir 600 Dollar am Tag" und ich antwortete "Okay, klingt gut". Damit fing alles an. Ich war viel zu schüchtern für einen Schauspieler. So mußten sie mich zwingen und heute liebe ich es.
Alias Magazine: Wie sind Sie zu Alias gekommen? Was wußten Sie über Vaughn beim Vorsprechen?
Nicht viel, wirklich. Sie wußten noch nicht wirklich was aus dem Charakter wird, da er in der Pilotfolge nur in der letzten Szene kurz zu sehen ist. Doch ich habe J.J. (Abram) zuliebe vorgesprochen, mit dem ich schon in "Der Zufallslover" zusammengearbeitet hatte. Sie haben mich in der üblichen Weise für das Studio und den Sender getestet und ich bekam den Job.
Alias Magazine: Hatten Sie schon vor Alias eine Vorliebe für das Agenten-Genre?
Oh, ja. James Bond, Sean Connery. Ich denke auch Pierce (Brosnan) ist kein schlechter Bond. Doch ich liebe die alten, frühen 60er Filme mit Sean Connery: Dr. No und Goldfinger. Als Kind habe ich die gesehen. Was will man mehr: ein Anzug, tolle Spionageausrüstung und schöne Frauen. Das ist doch der Traum jedes kleinen Jungen wenn er heranwächst.
Alias Magazine: Gibt es irgendwelche Ähnlichkeiten zwischen Ihnen und Vaughn abgesehen von den offensichtlichen körperlichen?
<i>Lacht·</i> Ich betrachte mich als einen ziemlich normalen Menschen und ich denke Vaughn ist das auch. Ich habe keine extremen Höhen oder Tiefen. Ich denke er ist selbstgerechter und aggressiver im Job und so weiter, doch ansonsten sind wir ziemlich gleich. Das ist das schöne daran in dieser Serie zu sein. Es ist keine langen Studien das Charakters nötig, denn das wäre ermüdent. Es gibt eine Menge Szenen bei denen ich einfach auftauchen kann und einfach anfange kann meine Dialoge zu sagen.
Alias Magazine: Vaughn hat viel Jargon in seinen Dialogen. Ist das schwierig zu lernen?
Ich denke meine große Stärke als Schauspieler liegt darin, dass ich eine Veranlagung zum Ausweniglernen habe. Ich denke das macht auch das Training insbesondere mit dieser Art von Dialogen. Man muss gedanklich wechseln zu "Okay, ich lerne jetzt Wort für Wort im Gegensatz alltagssprachlichen Dialogen." Das ist eine Unterschied. Ich warte darauf, dass ich zu einem Vorsprechen für etwas komme und sage "Hey, Du weißt." lacht Das wäre mal eine angenehme Abwechslung. Glücklicherweise haben wir (bei Alias) großartige Autoren, so dass es meistens nicht so schlimm ist.
Alias Magazine: Machen Sie viele Stunts selber? Offensichtlich springen Sie hier trotz Ihrer Krankheit über Tische und Bänke...
Die Tische über die ich gesprungen bin waren nicht gerade 15 m breite Schluchten - es waren kleine Wasserleitungen. Die meistens Stunts macht Jennifer (Garner). Die paar Sachen die ich tun muss, ja, da mache ich die meisten meiner Stunts selber. Das liegt ganz einfach daran, dass mir nicht viel abverlangt wird. Inbezug auf Kämpfe, ich hatte in der letzten Zeit öfters Kämpfe (Ende der zweiten Staffel), mache ich so viel ich kann.
Vor einigen Tagen hatten David Anders (Sark) und ich einen Kampf und schließlich wurden alle Aufnahmen von uns für den Kampf verwendet. Es wurde schnell geschnitten, so dass die Illusion entsteht als würde es wirklich passieren. Bestimmte Sachen würde ich allerdings nicht tun. Ich habe Angst vor Flügen in Hubschraubern. Wenn eine Szene es also erfordern würde in 200 m Höhe aus einem Hubschrauber zu hängen, würde ich nach Tommy, meinem Stuntdouble, rufen. Er ist lustig. Die meisten Dinge, die sie mich bitten zu tun, sind wirklich nicht so arg, so dass ich sie letztlich selber mache. Er sagt dann "Gibst Du mir irgendetwas zu tun? Komm schon, Mann, lass mich was tun. Ich bin den ganzen Weg von Bakersfield gekommen."
Alias Magazine: Was ist das schwierigst daran Vaughn zu spielen?
Wenn du krank bist, ist alles schwer. Aus dem Bett aufzustehen ist hart. Doch in bezug auf die Serie, selbst wenn wir um 5 Uhr an einem Samstagmorgen in der Innenstadt drehen, macht es Spaß. Du arbeitest mit einer Crew die du magst und Schauspielern mit denen du gerne was unternimmst. Wir sind in einer kleine Allee in der Innenstadt von LA und wir machen einen kleinen Film. Es gibt wirklich nichts Negatives bei dieser Serie.
Alias Magazine: Ist es einfach Vaughn an der Seite von Jennifer Garners Sydney zu spielen?
Ja. Wir sind so gute Freunde. Ich denke, wenn man jemanden so gut kennt und die Kameras sind auf dich gerichtet, zeigt sich da auch etwas von der persönlichen Beziehung. Victor (Garber) mag ich besonders. Wir sind abseits der Kamera gut befreundet und ich wünschte mir, wir hätten ein bischen mehr Szenen wo wir das ausleben könnten. (In) den Szenen mit Victor spricht er immer von oben herab mit mir und verweist mich auf meinen Platz. Lachend immitiert er Victor Garber, "Vaughn, du Idiot!"
Mit Jennifer, dass habe ich schon mal gesagt, fordere ich jeden Schauspieler heraus, keine Chemie mit ihr zu entwickeln, egal ob weiblich oder männlich. Es ist einfach so leicht mit ihr zu Arbeiten. Sie ist so nett und es macht Spass und mit der neuen Wendung die unsere Charaktere genommen haben, macht es noch mal so viel Spass. Einmal hatten wir diese Liebesszene und wir konnten einfach nicht aufhören zu lachen. Wir haben viel Glück. Du wirst das vermutlich von allen Schauspielern hören. flüsternd Verrat es niemanden, aber mögen wirklich was wir tun.
Alias Magazine: Über welchen Gastauftritt haben Sie sich am meisten gefreut?
Ethan Hawkes. Unglücklicherweise hatte ich nur ein kurzes Goodbye in einer Szene mit ihm, doch es war einfach toll mit ihm zu spielen. Er ist jemand aus meiner Generation zu dem ich aufschaue. Es war großartig; "Oh, mein Gott, Ethan Hawke spielt in der Serie mit." Das hat viel Spass gemacht. Doch waren alle, aus unterschiedlichen Gründen, klasse.
Alias Magazine: Haben Sie irgendwelche Lieblingsrequisiten?
Mein Pistole ist meine Lieblingsrequisite. Und wir benutzen diese MP-4 Maschinenpistolen die recht cool sind. Ich habe sie ziemlich gut kennengelernt. Ich weiß wie sie arbeiten und kenne die ganzen Einzelteile. Vaughn hat nicht wirklich viele Requisiten. <i>lacht</i>
Alias Magazine: Vaughn wurde bereits einige Male verletzt und infiziert. Sind die Szenen schwer zu spielen?
Oh, das ist die einfachste Sache der Welt. Du legst einfach ein bischen weisses Make-Up auf, legst dich hin und schläfst ein. lacht Die Tage sind einfach.
Alias Magazine: Bei Alias können wir uns bei keiner Person sicher sein. Würden Sie es mögen, wenn Vaughn ein Bösewicht wird?
Da wir noch ziemlich am Anfang von Alias sind, mag ich es ein Guter zu sein. Ich denke, wenn er (Vaughn) für eine längere Zeit in der Serie bleibt, könnte es Spass machen mal eine Staffel zur Abwechslung auf die böse Seite zu sein. Noch mal, ich habe so ein Glück mit diesen Autorn zu arbeiten. Wohin auch immer sie die Geschichte führen, ich vertraue darauf, dass es Spass machen wird.
Alias Magazine: Reden die Schauspieler untereinander darüber, wie sie Szenen zusammen spielen?
Ich denke wir machen das alle eigenständig. Jeder geht so unterschiedlich an die Schauspielerei an. Wenn ich Leute wie Victor und Ron (Rifkin) sehe, die schon sehr viel Theater gespielt haben, kann ich mir nicht einmal verstellen, was vor einer Szene durch ihre Köpfe geht. <i>lacht</i> Was mich betrifft, ich höre "Action" und versuche meine Sätze so natürlich wir möglich zu sagen. Da ist keine Methode dahinter. An manchen Tagen bin ich entspannter und besser. Es ist eigenartig. Es gibt Tage da bemerkt man die Kamera nicht mal richtig und an anderen hat man den Eindruck als könne man sich nicht mal bewegen.
Ich habe aufgehört zu versuchen, das zu verstehen, weil ich nicht glaube, dass ich es je verstehen werde. (Schauspielen ist) ein eigenartiger Beruf. Es ist sehr eigenartig Extrema auszuleben. Beim Film und Fernsehen ist die Kamera nicht dabei, wenn du deinen Abwasch erledigst. Niemand sieht sich das an. Zwangsläufig bist du also in einer sehr angenehmen Situation oder in einer äußerst schlechten. Es ist sehr merkwürdig das auszuleben und zu versuchen, während man dabei beobachtet wird. Die meisten Menschen die eine Krise durchleben, wollen dabei nicht von anderen beobachtet werden, aber genau das tun wir. Ich denke, auf eine merkwürdige Art macht das Spass.
Alias Magazine: Haben Sie eine Vorliebe für den Film oder das Fernsehen?
Heutzutage ist das hin und her normal. Vor zehn, 15 Jahren machte man entweder Filme oder Fernsehen. Das ist heute ganz klar nicht mehr der Fall. Ich denke meine Auffassung darüber hat sich durch Alias etwas verschoben, da wir hier eine tolle Zeit haben und ich die Schauspieler und die Crew liebe. Ich habe das Gefühl als wäre dies das Beste, was man machen kann und alles was danach kommt, kann nur enttäuschend ausfallen.
Alias Magazine: Was waren die bisherigen Highlights bei Alias?
Es ist ein so toller Set. Wenn mir jemand sagt, "Du wirst das für die nächsten 10 Jahre machen," würde ich das mit Freuden unterschreiben. Wir haben einfach viel Spass zusammen und die Leute mit denen ich täglich arbeite sind großartig, daher denke ich, die ganze Serie selbst ist für mich ein großes Highlight.
geschrieben von Abbie Bernstein