


Jennifer Garner und Michael Vartan im Gespräch, TV Spielfilm 08/04
In Hollywood traf TV Spielfilm zwei besonders begehrte Akkordarbeiter der TV-Fabrik. Jennifer Garner und Michael Vartan, Hauptdarsteller der Agentenserie "Alias", deren zweite Staffel Pro Sieben ab 14. April zeigt. Das Filmduo, das auch privat ein Paar ist, meistert den Spagat zwischen Serienpflicht und Kinokür. Michael Vartan war neben Robin Williams in "One Hour Photo" zu sehen. Jennifer Garner spielte kleine Rollen in "Pearl Harbor" und "Catch Me If You Can", bevor sie für den Fantasyfilm "Daredevil" zur Lack-und-Leder-Amazone Elektra wurde. Für ihre erste Kinohauptrolle in der Komödie "13 Going on 30" (dt. Start: 2.9.) kassierte sie drei Millionen Dollar. Damit sie angesichts solcher Verlockungen nicht ihre Rolle als Agentin Sydney Bristow hinwirft, wurde der "Alias"-Vertrag im letzten Jahr bis 2008 verlängert und ihre Gage auf 150.000 Dollar pro Episode verdreifacht.
TV Spielfilm: Wie lang dauert ein üblicher Drehtag am Set von "Alias"?
Jennifer Garner: Das hängt von den Zungenbrechern im Drehbuch ab - und von den Stunts. Aber das können bis zu 16 Stunden sein.
Michael Vartan: Jennifer muss immer da sein. Hinzu kommen Anproben für die Kostüme, das Make-up, die Pressetermine, das täglich Training. Ich hab's da viel besser und oft dienstags und donnerstags frei. Dann gehe ich einen trinken oder Eishockey spielen.
Wie bringen Sie die Serie und Ihre Kinokarriere in Einklang?
Garner: Es gibt keinen Einklang. Die Serie ist meine Arbeit. Neun Monate pro Jahr. Kinofilme sind für mich eine Art Ferienjob.
Das heißt also, auf den geplanten "Elektra" müssen wir noch lange warten?
Garner: Ja, leider. Wir drehen entweder in diesem Sommer oder im Sommer 2005. Ich kann selbst kaum erwarten, dass es losgeht.
Michael, vor "Alias" haben Sie viel fürs Kino gearbeitet. Ist die TV-Arbeit jetzt ein Karriereknick?
Vartan: Nein. Noch vor zehn Jahren waren Kino und Fernsehen klar getrennt. Das ist zum Glück nicht mehr so. Das Tolle am Fernsehen ist, dass man jeden Monat sicher seine Miete zahlen kann. Ich war seit drei Jahren nicht mehr beim Vorsprechen und verdiene trotzdem regelmäßig Geld. Ich habe früher Filme gedreht, aber dazwischen war ich mitunter bis zu 18 Monaten arbeitslos.
Jennifer, warum drehen Sie in Ihrer Sommerpause Kinofilme anstatt drei Monate die Füße hochzulegen?
Garner: Ich habe so viele Jahre bei Castings vorgesprochen und mich nach tollen Rollen gesehnt, die ich aber nie bekam. Jetzt werde ich dank "Alias" ernst genommen. Das ist so, als wenn man über Jahre fast verhungert und plötzlich an ein herrliches Buffet darf. Da weiß man gar nicht, wonach man zuerst greifen soll.
Michael, bekommen Sie seit "Alias" ebenfalls mehr Rollenangebote?
Vartan: Durchaus, Produzenten nehmen mich jetzt immerhin in die engere Wahl - dennoch gehen die Rollen, die ich gern spielen würde, in der Regel an Ethan Hawke oder Matt Damon.
"Alias"-Autor J.J. Abrams schreibt ein neues "Superman"-Drehbuch. Hat er Sie schon für die Rolle angeheuert?
Garner: Oh, Gott.
Vartan: Das wäre vermutlich die schlechteste Besetzungswahl in der Geschichte des Kinos.
Wieso? Jennifer trägt in ihrem aktuellen Kinofilm "13 Going on 30" doch auch bunte Strumpfhosen. Garner: Das hat Spaß gemacht. Ich spiele eine erwachsene Frau, die wieder zum Teenager wird. Die Kollegen von "Alias" haben mich zu der Rolle überredet. Sie meinten, dass ich einer 13-jährigen viel ähnlicher bin als der taffen Agentin, die ich sonst spiele.
Vartan: Stimmt. Sie ist am Set total durchgeknallt.
Garner: Wenn nicht gerade die Kamera läuft und ich todernste Sachen sagen muss, benehme ich mich immer ziemlich lächerlich.
Manchmal aber auch romantisch: Wie war Ihr erster Filmkuss für "Alias"?
Vartan: Der war dringend nötig. Sydney und Michael haben so eng zusammengearbeitet, dass es die Zuschauer als völlig unnatürlich empfunden hätten, wenn die zwei nicht irgendwann übereinander hergefallen wären. Selbst meine Postbotin Susie motzte mich eines Morgens an: "Verdammt, du Idiot, wann küsst Du sei endlich?"
Garner: Postbotin Susie...
Vartan: Ja, ehrlich. Und ich sagte nur: "Susie, ich schreibe keine Drehbücher. Ich spiele nur."
Inzwischen sind Sie beide auch privat ein Paar. Jennifer, Sie haben sich im Mai 2003 von Ihrem Mann getrennt und sorgten damit für Schlagzeilen.
Garner: Ich habe immer noch damit zu tun, die Trennung einigermaßen würdevoll zu verarbeiten und das Private aus der Presse rauszuhalten. Aber der Preis für die Popularität von "Alias" ist offenbar, dass Paparazzi-Fotografen in den Bäumen vor meinem Haus hängen dürfen.
Stimmt es, dass es in Staffel drei eine Kampfszene zwischen Ihnen gibt?
Vartan: Ja, gleich zu Beginn. Und ich finde schlimm, dass es Jennifer so viel Spaß gemacht hat. Garner (grinst) Sie hat mir den Fuß in den Magen gerammt. Ich lag sofort am Boden und dachte nur: Jesus, diese Frau tritt wie ein Maultier.
Träumen Männer von so einer starken Frau?
Vartan: Ich nicht. Ich finde es toll, wenn die Frau Karriere macht und unabhängig ist. Aber ich will nicht, dass sie mich k.o. schlägt.
Die Zuschauer sehen Sie eh lieber sexy als schlagfertig. Offenbar auch Ihr Autor und Regisseur J.J. Abrams?
Garner: Ich rufe J.J. immer wieder an und sage ihm: "Du kannst nicht einfach eine Szene schreiben, in der ich im Bikini rumlaufe."
Haben Sie sich noch nicht daran gewöhnt?
Garner: Es geht. Die Serie hat mein Selbstbewusstsein gestärkt. Ich sehe meinen Körper mit anderen Augen. Wenn ich für die Serie was Knappes anziehe, denke ich jedes Mal: "Oh, Gott!" Wenn ich aber Wochen später die fertige Folge sehe, merke ich: "Das sieht gar nicht mal so übel aus." Ich ziehe solche Sachen jetzt lieber an als noch vor einem Jahr.
Das Magazin Maxim nennt Sie die schönste Frau der Welt. Werden Sie am Set entsprechend behandelt?
Garner: Ja, klar. Jeden Morgen schreite ich die Crew ab und sage: "Vergesst bloß nicht, dass ich die schönste Frau der Welt bin!" Quatsch. Die würden mich alle auslachen.
Quelle: TV-Spielfilm 08/04