


Alias Magazine, Ausgabe 10, Mai 2005
Für über zwei Jahre glaubte Agent Michael Vaughn, dass Sydney tot sei und befindet sich seither in einer Abwärtsspirale. Um Sydneys Leben zu retten, tötete er seine Ehefrau und wurde in ein Katz-und-Maus-Spiel um den Tod seines Vaters William verwickelt. MICHAEL VARTAN spricht exklusiv mit mit Tara DiLullo über Syds und Vaughns turbulente Zeiten...
Michael Vaughn hatte ein paar harte Jahre bei Alias. Als CIA-Agent war er ständig in bedrohlichen Situationen rund um die Welt, brachte Terroristengruppen zu Fall oder schütze die Zivilbevölkerung vor lebensgefährlichen Bedrohungen. Nichts davon ist jedoch damit den Gefahren und Intrigen in seines Privatlebens zu vergleichen. Die Liebe zu Kollegin Sydney Bristow, das Paar bringt es nicht übers Herz sich zu trennen. Sicherlich, sie hatten ein paar gemeinsame romantische Augenblicke in den letzten vier Jahren, doch sie haben teuer für diese ruhigen Momente in ihrem stürmischen Leben gezahlt. Die Schießereien, scheinbaren Todesfällen, Ehen mit Psychopaten, mordlustigen Verwandeten und andere Hindernissen sind genug um ein Paar dazu zu bringen das Handtuch zu werfen und aufzugeben. Andererseits, Schauspieler Michael Vartan ist der erste, der dies zugibt, sind die konstanten Dramen und Intrigen genau das, was aus Alias diesen wunderbaren Job macht. All diese Angst hat den ernsten Vaughn in einen dunkleren und faszinierender zu spielenden Charakter verwandelt, wenn es gilt mit den Konzequenzen der Liebe zu Sydney und den daraus folgenden Tonnen von emotionalen Balast, der mit der problematischen Beziehung einhergeht, umzugehen. Mitten in den Dreharbeiten zur vierten Staffel teilt Vartan einige Highlights mit dem Alias Magazine, wie es ist Sydneys rechte Hand zu sein...
Was hat Dich, nach vier Jahren, beim Spielen dieses Charakters überrascht?
Das einzige, was mich schockiert hat, war, als mein Charakter Lauren (Melissa George) tötete. Ich war sehr traurig Melissa gehen zu sehen, da wir sie alle sehr mochten. Sie wird definitiv vermisset und wir wünschten sie würde zurückkommen, doch das liegt nicht in unseren Händen, sonst wäre sie hier. Mein Charakter ist nicht sehr viel dunkler geworden, er muss nur mit ein paar Sachen umgehen, die ein bischen schwieriger sind neben dem Erfüllen von Missionen. Vom schauspielerischen her, macht es erheblich mehr Spaß, wenn man etwas mehr zu beißen hat. Helden sind prima, aber es macht immer mehr Spaß den Bösewicht zu spielen.
Wird Vaughn dir ähnlicher oder entwickelt er sich eher von dem weg, wer Du bist?
Ursprünglich war das einer der Punkte, warum uns J.J. gecastet hat, weil die Charaktere und die Schauspieler die sie darstellten einige Gemeinsamkeiten hatten, abgesehen von Sloane (Ron Rifkin), der ein wirklicher Mistkerl ist und Ron ist einer der nettesten Menschen auf der Welt [lacht]! Mein Charakter hin in den ersten Folgen er ersten Staffel in der Schwebe, da nicht feststand, was aus ihm werden sollte. Wir wußten nicht, ob sie zwischen Will und Sydney oder zwischen Vaughn und Sydney eine romantische Beziehung entwickeln würde und wuchs er im Verlauf der Staffel. Ich bin mir allerdings sicher, dass J.J. für sich eine Vorstellung von dem hatte, was am Ende herauskommen sollte. Ich denke die Ähnlichkeiten zwischen Vaughn und mir... na ja, wer würde schon von sich sagen "ich bin ein übler Kerl" [lacht]!?!... Ich denke ich bin ein ganz anständiger Kerl und hoffe auch ehrenhaft, soweit dies möglich ist. Ich würde nicht sagen Vaughn ist das Cliché des guten Heldens ist, aber er ist mit Haut und Haar amerikanisch und steht voll hinter seinem Job und zu seinem Land. Ich muss mich noch immer kneifen, dass ich einen CIA-Agenten spiele. Ich bin glücklich darüber. Er ist einfach ein guter Kerl, durch und durch, und er ist nicht so eigen oder andersartig das ich mich wirklich strecken muss. Es würde mich nicht stören, wenn er mal für ein paar Episoden durchdrehen würde... es würde Spaß machen, das zu spielen!
Alle Darsteller schwärmen nur so voneinander, doch hast du als Schauspieler von den Kollegen gelernt?
Eigenartigerweise hat das nichts mit der Schauspielerei zu tun. Es hat mir mit ihrer Anmut und ihrer Freundlichkeit zu tun. Mit dem was sie beruflich bereits gemacht haben, könnten sie sich leicht wie Divas benehmen oder hochnäsig sein, doch sie sind einfach sehr nette Menschen. Wir haben Glück, dass keiner von uns noch grün hinter den Ohren ist. Wir arbeiten alle bereits eine Weile in dem Geschäft und wir haben alle wirklich hart gearbeitet um dort hinzukommen, wo wir sind. Wir alle schätzen unser Glück bei einer Erfolgsserie zu sein und darüber hinaus auch noch mit Menschen zu Arbeiten, die wir wirklich mögen, sowohl auf dem Set als auch abseits davon. Ich denke wir werden es erst wirklich registrieren, wenn Alias vorbei ist und wir zurückblickend feststellen, dass es beruflich die beste Erfahrung unseres Lebens war. Es wird traurig sein, wenn das vorrüber ist. Ich arbeite jetzt seit 20 Jahren und niemals zuvor habe ich eine ähnliche Kameradschaft erlebt. Es ist eine erstaunliche Lernerfahrung auf allen Ebenen. Einer der Gründe, warum die Serie noch immer so erfolgreich ist, liegt darin, dass wir eine solch großartige Chemie miteinander haben, sowohl auf dem Bildschirm als auch jenseits davon - selbst die neuen Darsteller - und das verdanken wir J.J. Es ist als ob Mia [Mastro] schon seit der ersten Staffel dabei wäre. Und die Crew ist unglaublich, es ist wie eine große Familie. Unsere Arbeitszeiten sind lang und brutal, aber ich sage immer ich habe lieber einen 15-Stunden-Tag mit der Crew und den Schauspielern bei Alias als 10 Stunden anderswo. Ich bin sehr glücklich mit ihnen arbeiten zu können.
Die vierte Staffel ist ein interessantes Jahr, da die Serie mit Verspätung* startete. War es eigenartig für Dich und die anderen Darsteller so lange kein Feedback zu erhalten?
(Anm.: Satt wie üblich im Herbst startete die vierte Staffel erst im Januar darauf im amerikanischen Fernsehen. Zu dem Zeitpunkt war schon über die Hälfte der Staffel produziert.) Wir sprechen ständig darüber... darüber, dass wir hier auf einem Samstag um 4 Uhr morgens in Burbank drehen und uns fragen, ob die Folge jemals irgendwer sehen wird. Ich denke es ist schwieriger diese Jahr. Normalerweise sieht man, was man gedreht hat und kann auf das, was man im Fernsehen sieht, entsprechend reagieren. Doch diese Jahr, mit der 6-monatigen Verzögerung, war eigenartig. Wir arbeiteten und nichts wurde ausgestrahlt. Wenn man es aus der Sicht der Serie betrachtet, ist es letztendlich gut, denke ich, dass man sie kontinuierlich vom Anfang bis zum Ende sehen und verfolgen kann.* Auch die Serie auf einen anderen Abend zu verschieben und nach Lost zu senden, war richtig. So gut unsere Serie auch ist, wir haben davon profitiert. Wenn es das war, was es brauchte um uns mehr in den Blickpunkt zu rücken, dann bitte. Wir sind glücklich damit. Wir haben in den ersten drei Staffel so hart gearbeitet und ich hoffe die Leute kaufen die DVDs. [lacht]
Über die Jahre hinweg drehte sich viel Angst um die On- und Off-Beziehung von Sydney und Vaughn. Wird das irgendwann frustrierend zu spielen?
Ich denke Jen würde mir zustimmen, dass es mehr Spaß macht "die verbotene Frucht"-Aspekte zu drehen. Als Fan sagt man natürlich irgendwann "Komm schon, Junge! Ihr seit in einer verlassenen Ecke in Hongkong! Küss sie wenigstens!" Die Charakter haben so viel durchgemacht. Sydney sagt am Anfang der Staffel "Wir müssen es langsam angehen lassen." und ich denke, dass ist auch der Fall dieses Jahr. Es ist gut so, denn sie haben eine Menge ungeklärte Gefühle und wissen nicht wo sie das hinführt. Die Tatsache, dass die Beziehung ein bischen in der Schwebe hängt und ein bischen etwas verbotenes hat, macht es mehr Spaß es zu spielen. Wenn sie wieder zusammenkommen, prima, aber ich hoffe sie schöpfen es ein bischen aus, den als Schauspieler betrachtet, macht es Spaß das zu spielen.
Du hattest einen tollen Satz in der ersten Folge dieser Staffel "Last year sucked". Denkst Du auch so in Anbetracht der Tatsache, dass die dritte Staffel eine Menge Kritik einstecken mußte, dass sie nicht an die ersten beiden heranreichte?
Wenn wir jetzt mal nur von meinem persönlichen Standpunkt sprechen, wir sind sehr glücklich dran, wenn J.J. am Set ist oder Regie führt. Er gibt uns die ultimative Freiheit solange wir uns in dem Rahmen bewegen, den er setzt. Er hält nicht krampfhaft an etwas fest und ist offen für Vorschläge. Wenn er nicht anwesend ist, folgen wir Vorgaben und wir können uns nicht groß einbringen. Da schützt man sich dann, nimmt es hin und macht seine Arbeit so gut es geht. Sieh mal, nicht jede Folge kann fantastisch sein und bei bestimmten Szenen denkst Du "Oh mein Gott, das würde mein Charakter nie sagen," doch man muss verstehen, dass es eine Gesamtwerk ist und es nicht immer nur um deinen eigenen Charakter geht. Man findet Weg das es klappt und einige Shows sind in der dritten Staffel großartig und einige nicht. Ich würde sagen, dass ich die ersten beiden Staffeln liebt und bis zu diesem Zeitpunkt ist die vierte Staffel meine Lieblingsstaffel. In der dritten Staffel gab es ein paar Folgen, die unglaublich waren, und wir konnten uns glücklich schätzen einige der Gaststars gehabt zu haben. Bei Alias ist es so, dass dich da so richtig reinfallen lassen kannst oder Du siehst einfach eine Episode und hast eine Stunde ausgezeichnetes Fernsehen. Meiner Meinung nach hat es bislang keine schlechte Episode gegeben. Es gab Folgen oder Szenen wo ich mir sagte, "Okay, das war nicht mein bester Tag," oder ein Special Effect hätte besser sein können, aber letztlich habe ich die Serie immer genossen. Es gibt eine ganze Reihe von Folgen, wo ich Victors oder Jens Szenen nicht beim Dreh nicht sehe, wenn ich also die Serie sehe, ist es zum einen um zu sehen wie gut sie ist, vor allem aber auch um zu sehen, was meine Kollegen in meiner Abwesenheit getan haben. Ich bin voreingenommen, denn in meinen Augen können sie nichts falsch machen.
Zurückblickend, was denkst Du über die vierte Staffel im ganzen?
Die erste Staffel war magisch, denn die meisten von uns hatten bis dahin keine Fernsehserie gemacht. Es war alles neu für uns und die Pilotfolge war so großartig. Wir hatten das Gefühl bei einer tollen Serie zu sein mit klasse Schauspielern und super Frauenrollen, wie man sie nur selten im Fernsehen siehst. Es war neu und fantastisch und so ging es weiter. Ich denke die zweite Staffel war interessant, da es nicht mehr so sehr darum ging den Stil der Serie festzulegen und man sich stärker mit Charakteren befaßte. Die dritte Staffel hatte ein paar tolle Folgen und andere, die aufgrund Storyline etwas verwirrend waren. Diese Rambaldi-Sache, Ich weiß immer noch nicht, was es mit dem Typen auf sich hat, aber wir werden es irgendwann herausfinden! Ich denke die vierte Staffel ist eine Mischung aus all dem. Die Charakter sind festgelegt und haben sich über die Jahre entwickelt. Sie haben eine Menge verschiedener Sachen durchlebt.Wer hätte je gedacht, dass wir für Sloane arbeiten würden? Allein bei der Storyline fragte man sich "Was?! Oh mein Gott, die Storyline wird lustig! Wir müssen wieder für diesen Drecksack arbeiten!"
Worauf freust Du Dich als Schauspieler bei der Arbeit zur Serie am meisten?
Die Missionen sind klasse und machen Spaß weil Du Deine Waffen umschnallst und diese ganzen Schießsachen machst, unglücklicherweise allerdings scheinen diese immer Samstagmorgens um 3 Uhr in einem Tunnel in der Innenstadt zu passieren. Die Missionen sind immer mitten in der Nacht. Können wir nicht Donnerstagnachmittags um 2 Uhr schießen [lacht]?! Ich denke unsere Serie ist sehr stark geteilt in gute Szenen zwischen Charakteren und Aktionszenen, so das wir uns als Schauspieler immer sehr auf die Szenen miteinander freuen. Die Missionen machen Spaß, aber sie erfüllen einen nicht so sehr wie einige der anderen Szenen die die Autoren für uns schreiben.
Mit "Ice" und "Welcome to Liberty Village" hattest Du bereits zwei hervorragend Folgen in dieser Staffel. Magst Du eine besonders?
"Ice" mochte ich am liebsten, wenn auch nur weil ich mit Kelly MacDonald arbeiten durfte. Sie war so gut! Sie hat etwas frisches an sich, diese künstlerischen Funken und es ist interessant sie zu beobachten. Es war diese eine Folge in den ganzen vier Jahren, in der ich am meisten zu tun hatte und die meisten meiner Szenen konzentrierten sich tatsächlich auf den Dialog. Es war schön mal jemanden gegenüber an einem Tisch zu sitzen und eine lange Szene zu haben, in der es nur um den Dialog und Emotionen ging und die nichts mit Explosionen zu tun hatte. Subtil wurde dem Publikum erklärt, wo sich das Coil befindet. Von der eigennützigen Seite aus, ist das die Folge, die ich am liebsten mag, auch wenn ich nicht versessen darauf bin ein Priester zu sein [lacht]!
Im laufe der Staffeln hat eine Menge Wechsel bei den Darstellern gegeben. Ist das schwierig bei so eng verbundenen Darstellern?
Ich möchte mich bei J.J. nicht zu sehr einschleimen, aber es liegt ehrlich an ihm. Er hat ein Gefühl dafür großartige Leute zu engagieren, die sich perfekt einfügen. Ich vermisse Bradley [Cooper] am meisten, da wir Kumpel waren und er ein netter Kerl ist. David [Anders] war nett, aber ich habe nicht viel mit ihm gearbeitet. Er war ein fantastischer Typ und ich habe erst 6 Monaten, nachdem er engagiert war, herausgefunden, dass er erst 21 war. Ich dachte "Wie konnest Du Dir zutrauen Dich derart in einer Szene mit Ron Rifkin zu halten!" [lacht] Natürlich vermissen wir ihn und wir vermissen unser kleines Känguru aus Australien [Melissa George]. Aber wir haben Mia bekommen, die unglaublich ist. Sie ist süß und lustig und so schön. Alles in allem macht es Spaß, aber wenn wir alle alten Darsteller behalten können und nur neue hinzufügen könnten, wäre das natürlich klasse, so müßten wir niemanden vermissen.
Alias zieht eine Menge hervorragender Gastschauspieler an. Habst Du irgendeinen neuen Favoriten?
Mein Favorit war Quentin Tarantino. Ich hatte ihn nie getroffen und ich bin ein großer Fan seiner Filme (nebenbei gesagt "Bitte ließ dies Quentin und engagiere mich!"), aber der Typ hat so viel Enthusiasmus für den Charakter aufgebaut. Bei all den Schauspielern die ich gesehen habe, ist mir nie jemand untergekommen, der sich mehr in etwas einbrachte. Es war ein unglaublicher frischer Wind. Er ist eine solche Größe in diesem Geschäft und er hat einfach alles fallen lassen und für diese zwei Episoden war ein einfach wie ein großes Kind und hat sich tief reinfallen lassen. Es war wirklich inspirierend und ich habe eine Menge von der Arbeit mit ihm gelernt. In Bezug auf den Cool-Faktor war er mein Favorit. Ethan Hawke war ebenfalls großartig, ich respektieren ihn sehr. Wir hatten einige große HollywoodIkonen in der Serie und ich denke das spricht Bände dafür, wie unsere Serie anerkannt wird und das ist wirklich schmeichelhaft. Hurra für Alias!
geschrieben von Tara DiLullo
© Alias Magazine