theCHAT: Michael Vartan

Washington Post. 5. Juni 2006

Während seiner Kindheit und Jugend in Frankreich spielte Schauspieler Michael Vartan Fußball, doch nach seinem Umzug als Teenager in die USA fand er Gefallen an Eishockey. Er spielte den Agenten Michael Vaughn in der kürzlich beendeten ABC-Serie "Alias - Die Agentin" und war bereits in einigen Filmen zu sehen, darunter "Das Schwiegermonster", "One Hour Photo" und "Ungeküsst". Demnächst wird Vartan zudem in den Thriller "Rogue" zu sehen sein.

Sie spielen in einer Eishockeyliga für Erwachsene?
Ich spiele in einer Pickup-Liga die von so einem französisch-kanadischen Typ geführt wird. Er ist über 75 Jahre alt und führt diese Liga seit rund 30 Jahren. Es ist im Prinzip nur eine Gruppe Kanadier, die sich - wenn sie nicht arbeiten müssen - mittags davonstiehlt um Eishockey zu spielen. Das Niveau ist recht hoch. Ich mag es, dass da keine Schauspieler bei sind. Ich bin der einzige. Wir reden nicht über die Schauspielerei, wir reden nur über Eishockey. Ich hätte nicht gedacht, dass es eine solche Liga in L.A. gibt. Allenfalls in New York oder irgendwo im Norden. Wissen Sie wie das kam? Als Wayne Gretzky von den Edmonton Oilers zu den L.A. Kings wechselte, gab es im südlichen Kalifornien einen rießigen Eishockey-Boom. Damals gab es vier oder fünf Eissporthallen und jetzt haben wir rund 15. Die Anaheim Mighty Ducks und die San Jose Sharks wurden gegründet. Ich denke einzig und allein er ist dafür verantwortlich, dass ich in L.A. auf dem Eis stehe, daher danke ich ihm dafür.

Waren Sie bereits ein Eishockeyfan als Sie in Frankreich aufwuchsen?
Nein, ich wurde erst später in meinem Leben ein Eishockeyfan. Als ich in Frankreich aufwuchs, war ich ein Fußballfan und als ich 14 war, bekam ich ein Angebot eines Profi Vereins. Mein Vater sagte jedoch "Nein" dazu. Als ich nach Amerika zug, steckte die amerikanische Fußballliga noch in den Kinderschuhen, so dass es im Prinzip keinen Fußball gab. Eishockey war das Spiel, das Fußball am ähnlichsten war. Es gibt eine Abwehr, einen Angriff und einen Torwart. Es war also gewissermaßen natürlich, dass ich mich zu Eishockey hingezogen fühlte.

Welcher Verein in Frankreich war an Ihnen interessiert?
Die Mannschaft von Paris Saint-Germain.

Wow, dass ist ziemlich beeindruckend. Paris Saint-Germain ist ein sehr guter Verein.
Es ist zur Zeit definitiv der beste in Frankreich. Der fanzösische Fußball macht im Augenblick eine Midlife-Crisis durch. Sie sind im Moment nicht so gut. Doch, ja, es ist einer der besten Vereine Frankreichs. Sie wollten mich mit 14 natürlich nicht für die erste Liga verpflichten, sondern für die Nachwuchsmannschaft. Mein Vater wollte jedoch, dass ich ein Bankier oder Rechtsanwalt werde und sehen sie, was ich heute mache.

Was denken Sie wie das französische Team bei der WM abschneiden wird?
Ich erwarte nicht wirklich viel von ihnen da die wirklichen Stars schon älter sind und ich denke, dass die jüngeren Spieler nicht so viel Erfahrung haben wie z.B. die Teams aus Brasilien und England. Als vor ein paar Jahren Frankreich das Eröffnungspiel gegen den Senegal verlor, war das meines Erachtens der Tiefpunkt in der französischen Fußballgeschichte. Der Grund, warum man spielt ist, dass man nie weiß wer gewinnt. Sie haben eine gute Chance recht weit zu kommen, denn ich denke sie haben eine recht leichte Vorrundengruppe. Wenn wir darüber sprechen ob sie ins Halbfinale oder Finale kommen, ich denken das ist unwahrscheinlich, auch wenn ich das gerne sehen würde.

Wie sehen Ihre Pläne bezüglich der Spiele aus? Werden Sie sie sehen?
Ja. Ich fühle mich als Amerikaner, daran besteht kein Zweifel. Ich liebe die NFL (National Football League). Ich liebe die NHL (National Hockey League; Hockey steht hier für Eishockey) Ich liebe Baseball. Sie glauben nicht, wie sehr ich die L.A. Rams vermisse. Doch die WM ist etwas besonderes - vor allem, weil sie nur alle vier Jahr ausgetragen wird und ein rießiges, internationales Ereignis ist. Es ist eine der tollsten Veranstaltungen der Welt, daher begeistere ich mich ziemlich dafür. Ich habe noch nicht entschieden, ob ich um 5 Uhr morgens aufstehe oder das erste Spiel des Tages als Aufzeichnung sehe.